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Aktuelles aus Hünfeld

Warum E-Autos allein nicht selig machen

Hünfeld. Kontroverse Thesen gegen den aktuellen Zeitgeist zur E-Mobilität vertrat Prof. Dr. Ing. Jörg Wellnitz in der vergangenen Woche beim Hünfelder Unternehmertreffen, das die Stadt Hünfeld bereits zum 19. Mal ausgerichtet hat.

Gastgeber des Abends war die Firma Lasslop, die mit ihren 44 Beschäftigten im Hünfelder Industriegebiet hochspezialisierte, induktive Bauteile entwickelt und produziert, die beispielsweise in Cockpits von Airbus-Flugzeugen, in der Messtechnik bei Automobilherstellern oder auch in der Raumfahrt zum Einsatz kommen.

Im Zwiegespräch mit der Moderatorin des Abends, Sabine Bodtländer, stellte Markus Lassop das Unternehmen vor, das seit 33 Jahren in Hünfeld ansässig ist und vor 60 Jahren in Hilders gegründet worden war. Lasslop lobte die guten Standortbedingungen für sein Unternehmen am Standort Hünfeld und die leistungsbereiten Mitarbeiter, die teilweise seit Jahrzehnten dem Unternehmen die Treue hielten.

In Entwicklung und Design beschäftigt Lasslop allerdings auch Ingenieure und Spezialisten aus dem Nahen Osten. Sein Credo für den Unternehmenserfolg sei, immer möglichst zwei Schritte vor dem Wettbewerb zu sein, denn ein Schritt werde schnell eingeholt.

Als Referent des Abends hatte die Firma Lasslop den Ingolstädter Professor Dr. Ing. Jörg Wellnitz gewonnen, der sich sehr kritisch mit der allgemeinen Entwicklung hin zur Elektromobilität auseinandersetzte. In einem schwungvollen und unterhaltsam gestalteten Vortrag machte er deutlich, dass das Elektroauto sicher die Automobilindustrie retten werde, nicht aber das Klima.

Selbst wenn alle Fahrzeuge der Welt auf Elektroantrieb umgestellt würden, wozu weder die Ressourcen an seltenen Erden, noch die Strommengen vorhanden seien, und dieser Strom dann noch klimaneutral erzeugt werde, könne dies den CO²-Ausstoß weltweit nur um 4,6 Prozent reduzieren. Die stürmische Entwicklung von E-Fahrzeugen ist nach Meinung des Wissenschaftlers insbesondere dem Zweck geschuldet, bei den rechtlichen Vorgaben zu Flottenverbräuchen der Hersteller genüge zu tun und weiterhin auch „fette SUV’s“ im Flottenmix verkaufen zu können. Der ökologische „Fußabdruck“ eines heutigen Elektroautos sei größer als der eines modernen Diesel mit Schadstoffklasse 6 d Temp, und Vorteile beim CO²-Ausstoß könnten nur nach hohen Laufleistungen „herausgefahren“ werden. Es bestehen nach Ansicht des Wissenschaftlers viel effizientere Möglichkeiten, bei der Mobilität CO² einzusparen, beispielsweise durch den Verzicht auf Alufelgen, für die bei der Produktion große Mengen an Energie verbraucht würden oder auch ein Tempolimit auf 140 Stundenkilometer.

Der Automobilkauf der Kunden werde nicht durch Vernunft bestimmt, betonte der Wissenschaftler, der in Ingolstadt einen Lehrstuhl für Leichtbau in der Fahrzeugentwicklung innehat, sondern vielmehr durch Emotionen. Wer einen Audi, Mercedes oder Ferrari kaufe, brauche nicht zu erklären, warum, wer einen Renault fahre, dagegen schon. Elektroautos hätten für die Industrie auch den Vorteil, dass dann der Kunde, um seine alltäglichen Mobilitätsbedürfnisse und die ständige Verfügbarkeit sicherzustellen, ein Zweit- oder Drittfahrzeug mit herkömmlichen Antrieb zusätzlich haben müsse.

E-Mobilität sei deshalb langfristig nicht die Lösung der gegenwärtigen Fragen, war sich der Professor sicher, sondern schon der Altmeister der technischen Visionen, Jules Verne, habe Ende des 19. Jahrhunderts bereits vorausgesehen, dass Wasserstoff die „Kohle der Zukunft“ sein werde.

Bürgermeister Stefan Schwenk unterstrich, dass das Unternehmertreffen dem Austausch von Unternehmen mit Verwaltung, Schulen und Behörden abseits des Tagesgeschäftes dienen solle und immer wieder anregende Einblicke in Unternehmen biete. Er plädierte angesichts wachsender Unsicherheiten durch globale Entwicklungen dafür, dass sich die Region auf ihre Stärken und ihre guten Netzwerke besinnen müsse. Auch Verwaltung profitiere vom Austausch mit mittelständischen Unternehmen, die ihren Unternehmenserfolg gerade nachhaltig gestalteten und Generationen übergreifend dächten.

Aus seiner Sicht sind Unternehmen und Kommunen in einer Schicksalsgemeinschaft. Die Unternehmen erwirtschafteten die wirtschaftliche Basis, um Kindergärten, Freizeitanlagen und Infrastrukturen zu gestalten, sie seien aber auch auf eine gute Infrastruktur angewiesen, um Mitarbeiter gewinnen und halten zu können.

Dass dies nicht nur in Hünfeld, sondern im gesamten Landkreis gut gelinge, darauf machte der Landrat Bernd Woide aufmerksam. Die besondere Qualität und wirtschaftliche Stärke des osthessischen Raumes sieht er auch in der festen Verwurzelung von mittelständischen Unternehmerpersönlichkeiten in der Region und den guten Netzwerken.

Dies sprach auch der Präsident der Industrie- und Handelskammer Fulda, Dr. Christian Gebhardt, an, der erstmals in dieser Eigenschaft nach Hünfeld gekommen war. Die Firma Lasslop sei nicht nur ein erfolgreicher Mittelständler, sondern habe sich auch lange in der Vollversammlung der IHK engagiert. Ein besonderer Vorzug der Region seien die intakten Netzwerke zwischen Wirtschaft, Verwaltung, aber auch der Hochschule und die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch, das heute auch durch die elektronische Kommunikation oft zu kurz komme. Ein persönliches Gespräch sei immer auch eine Form der Wertschätzung, beispielsweise gegenüber dem Mitarbeiter. Die Region Fulda sei stark und Hünfeld immer noch ein Stück voraus. Die Stadt engagiere sich in vorbildlicher Weise gemeinsam mit den örtlichen Unternehmen bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften. Das sei eine zentrale Frage für die Zukunft.

 

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