Genossenschaften?
Zentrale Wärmeversorgung
Als Gesprächspartner standen den Interessenten dabei Mitarbeiter von Qonzept Energy aus Kassel, der LEA Hessen (Energieagentur) und von den bereits erfolgreich arbeitenden Genossenschaften in den Nachbargemeinden Grüsselbach und Rasdorf zur Verfügung, die von ihren Erfahrungen berichteten. Die Stadt Hünfeld hatte sehr frühzeitig ihre Wärmeplanung vorangetrieben, betonte Tschesnok, um den privaten Hausbesitzern ein Stück Planungssicherheit angesichts der großen Verunsicherung bei diesen Themen zu geben. Die Wärmeplanung habe ergeben, dass nur in der Kernstadt ein öffentliches Wärmenetz wirtschaftlich möglich sei – angesichts der Möglichkeiten, Abwärme aus Industrie und Gewerbe zu nutzen und der verdichteten Bebauung. Gleichwohl seien in der Wärmeplanung aber auch geeignete Stadtteile identifiziert worden, in denen ein Nachdenken über kleine dezentrale genossenschaftliche Lösungen mit den entsprechend günstigeren Kostenstrukturen denkbar seien. Dazu brauche es aber die Initiative vor Ort, wie es in Rasdorf und Grüsselbach erfolgreich umgesetzt worden sei.
Dr. Thorsten Ebert von Qonzept Energy skizzierte dabei die Vorteile einer genossenschaftlichen Lösung. Der Hausbesitzer erhalte seine Wäme an einer kleinen Übergabestation im Keller und erfülle damit grundsätzlich immer alle Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes. Durch genossenschaftliche Lösungen könnten viele Kostenvorteile gezogen werden und der Verbraucher müsse sich um nichts kümmern.
In den Nachbargemeinden ist dies bereits gelungen, wie Hans-Jürgen Stark aus Rasdorf und Frank Gollbach aus Grüsselbach deutlich machten. In Rasdorf habe die Genossenschaft mittlerweile 220 Mitglieder. Es seien bislang 11 Millionen Euro investiert worden, um 450 Haushalte zu versorgen. Nach dem ersten Spatenstich 2024, dem eine dreijährige Planungsphase vorangegangen war, soll das Projekt 2027 abgeschlossen werden. Derzeit würden bereits zwei Drittel der Interessenten des Dorfes zentral mit einer Hackschnitzelanlage im Gewerbegebiet beheizt.
Der große Vorteil für die Anschlussnehmer sei, dass die Genossenschaft für ihre Mitlieder das gesamte Leitungsnetz bis zum Übergabepunkt im Heizungskeller erstelle. Selbst die Hausinstallation könne mit bis zu 70 Prozent gefördert werden. Die Finanzierung der Genossenschaft ruhe auf drei Säulen, einer 40-prozentigen Förderung, einer Kreditaufnahme und den Einlagen der Mitglieder. In Rasdorf wurden Anteile für 6.000 Euro angeboten, die gesamte Organisation ruhe dagegen auf ehrenamtlichen Schultern.
