Eröffnung mit vielen Gästen
Früchteteppich ist eröffnet
Die Eröffnungsfeier war gleichermaßen fesselnd wie emotional. Künstlerin und künstlerische Leiterin Heike Richter hatte in ihre Grußworte so viel Leidenschaft und Emotionen gelegt, dass sie zwischendurch kleine Tränen verdrücken musste. Nicht nur dafür erntete sie tosenden Applaus der zahlreichen Besucher, sondern auch für die Botschaft, die sie und ihr Team mit dem diesjährigen Früchteteppich in die Welt tragen möchten: „Wir müssen nicht alle einer Meinung sein. Aber wenn wir respektvoll miteinander umgehen, können wir gemeinsam etwas Großes schaffen“. Diese Botschaft sei zusätzlich auch mit dem Bibelvers aus dem Johannes-Evangelium verdeutlicht, der über der Abendmahls-Szene in einer Steinmauer sozusagen „eingemeißelt“ wurde: „Ein neues Gebot gebe ich Euch, liebt einander so wie ich euch geliebt habe“.
Hauptredner des Abends war Pater Christoph Heinemann OMI, Provinzial der Mitteleuropäischen Provinz der Oblatenmissionare im Bonifatiuskloster Hünfeld. Er betonte, dass der Früchteteppich nicht einfach da Vincis berühmtestes Gemälde übernehme. Vielmehr stelle er es in einen völlig neuen Rahmen mit einer völlig anderen Atmosphäre. Es sei der Kontrast, der den Früchteteppich so interessant mache: „Dieser Früchteteppich verbindet zwei Epochen miteinander. Die Renaissance Leonardos und die Ausdrucksform späterer christlicher Kunst. Das berühmte Abendmahl wird dadurch nicht nur kopiert, sondern neu interpretiert, und es wird in unsere Zeit hineingestellt. Darin liege auch die Botschaft dieses Teppichs: Das Abendmahl ist ein Geschehen, das bis heute fortwirkt. Der Ruf Jesu zu Gemeinschaft, zur Versöhnung und zur Liebe gilt nicht nur den 12 Aposteln, er gilt jeder Generation neu. Die kommenden Besucher dürfen nicht nur ein außergewöhnliches Kunstwerk bewundern, sie werden auch erleben, was diesen Ort seit Jahrzehnten auszeichnet: Gelebte Gemeinschaft, beeindruckendes ehrenamtliches Engagement und die Freude, den Glauben auf so kreative Weise sichtbar zu machen.
Pfarrerin Kirsten Schulte betonte, dass in der Abendmahlsszene eine Ahnung zu spüren sei, dass nicht alles gut ist. Trotzdem sitzen alle zusammen an einem Tisch. „Gemeinschaft, beginnt nicht damit, dass alle gleich sind. Sondern damit, dass alle einen Platz haben am Tisch. Vielen Dank an das Team des Früchteteppichs, dass Sie diesen Gedanken wieder wachrufen“, so Schulte.
Schwester Brunhilde vom Kloster der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul verriet, dass sie ergriffen vom diesjährigen Früchteteppich sei. Man könne sicherlich stundenlang vor dem Bild verharren und in Gedanken innehalten, sagte sie.
“Es ist wirklich atemberaubend, wenn man hier hereinkommt“, sagte Bürgermeister Benjamin Tschesnok. Er sprach seinen Dank neben dem Früchteteppich-Team all jenen aus, die sich ehrenamtlich das ganze Jahr über mit verschiedenen Veranstaltungen wie Ausstellungen und Theateraufführungen darum bemühten, dass die Alte Kirche Sargenzell am Leben gehalten werde und damit eine Zukunft habe.
Ähnliche Gedanken äußerte auch Landtagsabgeordneter Thomas Hering und Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt ergänzte: „Sie haben es geschafft, mit diesem Früchteteppich Emotionen auszulösen. Das ist etwas ganz Besonderes“. Die Besucher würden anders aus dieser Kirche herausgehen, als sie hereingekommen sind. „Sie werden vor allem auch über die Botschaft sprechen, und das ist etwas, das bleibt, auch wenn der Teppich wieder abgeräumt ist“.
Kaplan Andres Zsumski von der Kirchengemeinde Heilige Maria Magdalena Hünfelder Land hat zum ersten Mal den Früchteteppich gesehen und staunte. „Für jemanden, der das zum ersten Mal sieht, ist es wirklich beeindruckend. Möge dieser diesjährige Früchteteppich dazu beitragen, dass wir neu ins Staunen vor dem Geheimnis des Glaubens geraten und dadurch tiefer ins Leben finden.“
Rita Fennel, Vorsitzende der Aktion Hünfelder Sorgenkinder, sprach stellvertretend für alle Spendenempfänger, die der Früchteteppich jedes Jahr finanziell unterstützt und sprach dem Förderverein und allen Besuchern ihren Dank aus. Der Früchteteppich sei nicht nur eine religiöse Botschaft, sondern es würden damit jedes Jahr soziale, kulturelle und caritative Projekte unterstützt.
Manuel Mohr, Vorsitzender des Fördervereins Alte Kirche Sargenzell, dankte all jenen, die den Ort lebendig halten und ihm damit eine Zukunft gäben: „Der Früchteteppich ist nicht nur ein Kunstwerk, er ist ein Stück gelebte Gemeinschaft.“
Sargenzells Ortsvorsteher Volker Sauerbier gab dem 38. Früchteteppich einen Wunsch mit bis zum letzten Öffnungstag, dem 8. November: „Möge der Früchteteppich von kleinen Nagern, Spazierstock-Abdrücken und herunterfallenden Handys verschont bleiben“.
Stefan Wagner sorgte für die musikalische Umrahmung des Abends.
Der Förderverein Alte Kirche Sargenzell lud anschließend noch zu gemütlichem Beisammensein mit Suppe und Getränken ein.
